Endlich Unterricht! Unsere Schule wird eröffnet

Huay Xai, 04.09-17.09

Es sind jetzt schon wieder zwei Wochen nach meinem letzten Blogeintrag vergangen. Inzwischen hat sich einiges getan hier in Huay Xai. Am 04.09 wurde feierlich unsere Schule aka Klassenraum eingeweiht. Fast alle Anwesenden trugen blaue Hemden (sah aus wie eine FDJ Versammlung) und es wurden viel zu lange Reden gehalten, die in zwei Sätzen ins Englische übersetzt werden konnten.. Wir sollten auch eine kleine Rede auf Englisch halten. Ich war zu dem Zeitpunkt leider erkältet. Dank der Aircondition im Luxus Bus in Thailand. Ich werde nur noch mit local Bussen reisen.. Deshalb durfte Charly den Part übernehmen. Ich habe nur zwei Sätze auf Laotisch gesprochen. Das hat dann wieder einmal alle überrascht und zum Lachen gebracht. Ab Montag den 07. September beginnt nun endlich der Unterricht und wir haben eine feste Aufgabe hier in Huay Xai. Aber erst mal heißt es das Wochenende genießen.

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Bei unserem Abendessen treffen wir zufällig auf Tino. Er ist 47 Jahre alt und seit 8! Jahren Entwicklungshelfer in Laos. Er hat bemerkt, dass wir Deutsch sprechen und sich uns sofort vorgestellt. Im Vorfeld habe ich schon E-Mails mit ihm geschrieben, wusste aber nicht wie er Aussieht und dass er schon viel älter als wir ist. Daraufhin erzählt er uns sehr viel über seine Arbeit und Laos. Wir sind froh, dass wir ihn getroffen haben, denn nun laufen wir uns ständig über den Weg und verabreden uns zum Abendessen.

Die erste Unterrichtsstunde..

Ich weiß nicht wie es Charly geht, aber ich bin richtig aufgeregt! Schließlich habe ich vorher noch nie unterrichtet. Außerdem sitzen keine kleinen Kinder vor uns, sondern Erwachsene. Spätestens nach dem ersten Unterrichtsblock ist klar – Unterrichten macht total viel Spaß! Alle Schüler sind total motiviert und wollen wirklich was Lernen. Die zweite Klasse am Mittag scheint nicht so motiviert zu sein. Allerdings sind wir selber auch nicht gerade in Topform. Es ist wirklich anstrengend mittags bei 30°C zu unterrichten. Man schwitzt, ohne großartig was zu tun. Das geht auch unseren Schülern so. Es fällt ihnen schwer, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren. Um 17:30 Uhr fängt unsere dritte und letzte Unterrichtsklasse an. Hier sitzen die advanced Schüler. Prinzipiell sollten hier alle einigermaßen gut Englisch sprechen können. Denn dafür haben wir extra im Internet nach einem Einstufungstext gesucht, den alle Schüler machen mussten. Nur ganz 100% ist das nicht der Fall. Einige Schüler müssen den Tag über arbeiten und können nicht morgens zum Unterricht kommen. Wir versuchen trotzdem einige Schüler zu überreden, damit sie morgens oder mittags zum Unterricht erscheinen. Für ihren Lernerfolg bringt es mehr, wenn sie auch gut mit dem Lernstoff mitkommen. Die Schüler sollen nun für uns eine Geschichte schreiben, damit wir sehen, wie gut ihr Englisch ist. Nachdem wir die Aufgabenstellung lang und breit erklärt haben, machen sich unsere Schüler an die Arbeit. Herausgekommen sind wunderbare Geschichten! Sie erzählen so viel von sich. Wir kommen sogar in einigen ihrer Geschichten vor. Viele schreiben darüber, dass sie gerne Englisch sprechen möchten und hoffen, dass wir ihnen dabei helfen können. Das macht uns schon ein wenig Stolz.

Mittlerweile unterrichten wir auch schon seit zwei Wochen. Wir haben es aufgegeben, die Stunden vorher akribisch zu planen. Meistens schaffen wir nicht einmal die Hälfte davon. Vor der Stunde machen wir uns ein paar Gedanken und versuchen dann in der Stunde besonders auf die Schwächen einzugehen. Wir haben uns auch schon ein paar Spiele überlegt und haben mit der fortgeschrittenen Klasse einen Song einstudiert. Die meisten Laoten singen gerne – zumindest beim Karaoke. Dabei wird dann auch reichlich Beerlao getrunken. Jetzt müssen sie auf Englisch singen und das auch noch ohne Beerlao! Nach einer anfänglichen Scheu klappt das aber ganz gut. Das wird also in unser Unterrichtsrepertoire aufgenommen.

Motorradfahren geht auch ohne Führerschein

Wir werden leider immer noch von unseren Arbeitskollegen rumkutschiert. Noch haben wir kein Motorrad oder Scooter. Letztere sind hier in Huay Xai kaum zu finden. Sie sind einfach teurer als Motorräder. Ich möchte endlich fahren lernen! Der Laote, den wir Mj nennen, bringt mir heute endlich das Fahren bei! Dafür hat er ein Halbautomatik Motorrad von seinem Kumpel geliehen. Während ich hinten auf dem Motorrad sitze erklärt er mir wie die Schaltung funktioniert. Gar nicht so kompliziert. Nach einer Weile darf ich dann auch vorne sitzen. So schwer ist es überhaupt nicht! Ich komme ziemlich gut zurecht. Mj ist beeindruckt! Ich muss aber zugeben, dass er mir gerade anfangs jedes Mal gesagt hat, wenn ich den Gang wechseln muss. Ich freue mich total, dass ich es so schnell gelernt habe. Nun brauche ich nur noch etwas mehr Übung. Dann können wir uns endlich selber ein Motorrad kaufen.

Bei der einen Unterrichtsstunde im Motorradfahren bleibt es aber nicht. Das nächste Mal bringt Mj sein eigenes Motorrad mit. Das Ding scheint noch aus Zeiten des Vietnamkrieges zu stammen.. An dem Ding läuft so gut wie nichts automatisch. Hier ein kleiner Vermerk an meine Eltern: Ja ich lebe noch, auch ohne Helm. An der alten Kiste habe ich mich schon ganz schön abgemüht. Ich habe es ja kaum gestartet bekommen! Nach endlosen versuchen, nachdem das Ding gefühlt 1000 Mal abgeschmiert ist, bekomme ich es tatsächlich hin. Ich fahre sogar ein wenig damit herum! Mj freut sich, erleidet aber auch ein wenig Todesangst. Inzwischen ist es stockfinster und natürlich gibt es kein Licht an dem Motorrad. Wir beenden also den Unterricht. Mein Ehrgeiz ist aber geweckt. Ich will das Ding noch vernünftig fahren können in diesem Jahr!

Wir haben Besuch

Ich habe meinen Wohnort bei Couchsurfing geändert und habe sogar schon einige Anfragen für Huay Xai gefunden. Ein Italiener, der jetzt allerdings in Australien wohnt, hat eine Nacht bei uns übernachtet. Er hat uns eine Menge über sich und seine Reisen erzählt. Wir haben ihn sogar mit in den Unterricht genommen. Er hat auch einen Youtube Kanal, man kann also uns für ein paar Minuten live in action beim Unterrichten bewundern. Es war ein cooles Erlebnis. Wir werden sicher bald noch mehr Besucher haben. Im November kommt uns ein Vietnamese besuchen. Er reist gerade durch Südostasien mit seinem Motorrad und möchte darüber ein Buch schreiben. Wir sind gespannt. Ich werde sicher auch darüber einen Eintrag schreiben.

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