Mein neues Zuhause und meine neue Lieblingssportart

Huay Xai

Heute früh werde ich von meiner Mentorin (ich glaube jedenfalls, dass sie das ist) abgeholt und in das Office der Lao Youth Union in Bokeo gefahren. Sie spricht kein Englisch aber mit Zeichensprache klappt alles und ich sitze einige Minuten später hinten bei ihr auf dem Roller. Natürlich fängt es genau dann an in Strömen zu regnen. Ich sitze hinten, kann mich kaum festhalten und halte dazu noch ihren Regenschirm. Das schreit nach Sicherheit. Die gefühlt tausend anderen Rollerfahrer auf der Straße machen es genauso. Ich stelle mir einfach vor, dass es hier jeden Tag so aussieht. Nur weil ich nun hinten sitze und mich unsicher fühle, heißt das nicht, dass es zu einem Unfall kommen muss. Kommt es auch nicht. Ein paar Minuten später erreichen wir völlig durchnässt das Gebäude der Lao Youth Union. Leider habe ich keine Kleidung zum Wechseln dabei. Da mich keiner der Anwesenden versteht bekomme ich erst mal eine Tasse zu süßen Kaffee und warte. Später kommt Mr. Somsack mit meinem Gepäck. Anscheinend hat er das von dem Guesthouse abgeholt. Ich kann mir eine andere Hose anziehen. Danach fährt er mich und ein paar andere Mitarbeiter zum bekannten Suppen-Frühstück. Mr. Somsack kenne ich schon vom gestrigen Abend. Er war beim Abendessen dabei und auch bei der Karaoke Party am Mekong. Ich glaube er ist der Vize-Boss oder so ähnlich. Noch habe ich die Strukturen nicht ganz erfasst..

Nach dem Frühstück werden wir bereits erwartet. Ich folge dem Vorsitzenden der LYU für Bokeo in sein Büro. Dort wartet zum Glück auch ein Übersetzter, der so scheint mir das Beste Englisch im gesamten Gebäude spricht. Ich bin die Erste Freiwillige für die Stelle in Bokeo. Deshalb gibt es auch noch keine Klasse, die ich Englisch unterrichten kann. Deshalb soll ich die Mitarbeiter der LYU in Bokeo unterrichten. Ich soll also Erwachsenen Englischunterricht geben. Wir sprechen auch über die Uhrzeiten und die Wochentage. So wie es aussieht werde ich nun von Mo-Mi jeweils 2h Englischunterricht morgens und abends geben. Ich will mal sehen wie sich das entwickelt. Außerdem wird es zwei Klassen geben, eine Anfängerklasse und eine mit leichten Vorkenntnissen. Das muss ich mit Charlotte, der anderen Freiwilligen absprechen. Sie wird in etwa einer Woche hier sein. Außerdem erfahre ich, soll der Unterricht erst im September beginnen. Ich freue mich, denn nun habe ich ab jetzt 3 Wochen Zeit mich einzugewöhnen und vielleicht nochmal nach Luang Prabang oder Thailand zu reisen.

Als nächsten Punkt geht es um meine Unterkunft. Wir steigen ins Auto und ich werde zu einem Haus etwas entfernt gefahren. Hier soll ein Klassenraum für den Unterricht entstehen. Das Gebäude ist ziemlich schmutzig und runtergekommen, aber für den Unterricht wird es schon ausreichen. Ich falle allerdings aus allen Wolken, als man mir das Zimmer nebenan zeigt. Denn die LYU hatte sich gedacht, dass dies mein Zimmer sein könnte. Dafür zeigt man mir noch eine kleine schmutzige Nasszelle mit Plumsklo und Wascheimer und einen Raum, der die Küche darstellt, indem sich aber nichts als Müll befindet. Alles ist mir schreit AUF GAR KEINEN FALL! Ich melde mich zu Wort und bin froh über den Übersetzter. Ich versuche höflich zu erklären, dass ich hier nicht wohnen möchte und gerne eine Dusche hätte. Während ich spreche läuft mir ein Tausendfüßler in meinen Flip Flop. Auch das noch! Neben den Tausend Geckos im Haus. Ich will hier weg! Wir fahren weiter in ein Guesthouse indem ich vorerst bleiben könnte. Hier sieht es auch nicht so toll aus, aber es gibt ein „richtiges“ Klo, eine Dusche und Air-Conditioner. Eine eindeutige Verbesserung! Der Lao Youth Union ist dies aber zu teuer. Jetzt suchen wir nach einer Wohnung für mich. Wir schauen uns auch eins an. Hier gibt es leider auch keine Dusche. Es wird herumtelefoniert. Jemand, der Jemanden kennt, kennt wiederum jemanden, der ein Appartment vermietet. Wir holen ein junges Mädchen ab. Sie heißt Mee und spricht perfekt Englisch, weil sie in Sydney studiert. Sie ist gerade in ihren Semesterferien zuhause. Ich erkläre ihr, dass ich Geld von der lkj bekomme um davon Essen und eine Unterkunft zu bezahlen. Das ist ziemlich viel Geld für laotische Verhältnisse. Aber schließlich bekomme ich das Geld über Zuschüsse vom Weltwärts Programm, das wiederum von Deutschland finanziert wird. Dann möchte ich doch bitte auf Kosten des Staates eine Wohnung mit Dusche und Klo beziehen, wenn das denn ginge, liebes Deutschland.

Sie zeigt uns eine andere Wohnung. Gegen alles andere was ich bisher gesehen habe, ist diese Wohnung ein Traum. Es gibt ein richtiges Holzbett, ein richtiges Klo, eine richtige Dusche und eine richtige Küche. Naja jedenfalls eine Spüle, für Kühlschrank, Herd, Backofen reicht der Luxus nicht. Wir wollen mal nicht übertreiben. Ich frage den Eigentümer, ob er auch Möbel hineinstellen kann. Er antwortet: „Du kannst auch Deutsch mit mir sprechen“. Dies bringt mich total raus. Er erzählt mir, dass er in der DDR an der Humbold Universität studiert hat. Es gab zu der Zeit eine Kooperation zwischen Laos und Deutschland. Hört hört! Ich finde das super spannend und verspreche ihm wieder ein wenig Deutsch beizubringen, damit er nicht alles vergisst. Gegen Abend kann ich einziehen, dann ist alles geputzt und vielleicht bekomme ich noch mehr Möbel. Ich bin überglücklich! Nun geht es zum Mittagessen in die Stadt. Wir halten auf dem Weg an einem Geldautomaten, denn ich muss die Miete für den nächsten Monat im Voraus bezahlen. Umgerechnet 85€ gibt mein Bankkonto noch her. Das Geld kann ich mir später noch von der lkj zurückholen. Mein Zimmer ist nun bezahlt und die Vermieterin und ihr deutschsprechender Bruder werden sich sehr Freuen, sollten wir ein ganzes Jahr in der Wohnung bleiben.

Zum Mittagessen werde ich wieder von der LYU eingeladen. Bisher habe ich auf der gesamten Reise kein einziges Mal bezahlt. Es geht anschließend zurück ins LYU Gebäude. Wir haben ein paar Stunden rumzukriegen. Mee versucht mir Laotisch beizubringen und schreibt mir viele neue Wörter auf. Danach werde ich zum Petang spielen eingeladen. Petang sollte uns besser als Boule bekannt sein. Dafür geht es nach draußen. Vor dem Gebäude gibt es ein kleines abgestecktes Feld mit Kies im Schatten. Ich habe es noch nie gespielt, werde aber trotzdem mitmachen. Nach ein paar ordentlich schlechten Würfen habe ich es dann endlich raus und werde besser. Schließlich gewinnt mein Team, weil ich zwei Kugeln am Ende besonders gut gespielt habe. Cool! Es wird mit Beerlao darauf angestoßen. Naja ist ja auch schon fast 5 Uhr.. Ich glaube so kann ich den Alkoholkonsum hier kaum einschränken, wenn einfach zu jeder Gelegenheit das Bier getrunken wird. Ich frage mich auch ob die jeden Tag im Büro so verbringen, chillen, Petang spielen und Bier trinken. Dann würde ich auch gerne für die Regierung arbeiten, bitte. Das ist natürlich nicht ganz mein ernst, schließlich weiß ich nicht ob sie sich nicht extra wegen mir von der Arbeit zurückgezogen haben. Es stoßen jedenfalls immer mehr Mitarbeiter dazu. Es kommt eine Frau vorbei, die alle Mrs. Vietnamese nennen. Sie verkauft gekochte Eier. Ich sage, dass ich gerade kein hunger habe. Der Appetit würde mir spätestens nach öffnen des Eies vergehen. Dies sind noch richtige Landeier, denn in ihnen befindet sich noch ein ungeborenes Küken. Ich versuche angestrengt meinen Ekel zu verbergen, während alle anderen essen und bin froh, dass mir keins gereicht wurde. Insgesamt fällt mir hier auf, dass noch das komplette Tier verspeist wird Kopf, Haut, Füße, Innereien etc.. Alles an dem Tier wird verwertet und nicht wie in Deutschland der Großteil in sogenannte Dritteweltländer verschifft, während man die nur die „guten“ Teile zu sich nimmt. Massentierhaltung gibt es jedenfalls hier noch nicht. Das ändert aber trotzdem nichts an der Tatsache, dass mir bei dem Anblick eines ungeborenen Kükens schlecht wird.

Ein Regenschauer zwingt uns dazu alle wieder hineinzugehen. Dort werden die letzten Biere geleert und es geht los für mich. Wir fahren Abendessen, auch wenn ich gar keinen Appetit habe. Dafür darf ich bestellen. Es gibt ein englisches Menü und ich bestelle eine Suppe mit Pilzen. Es ist zwar keine Sahne drin, weil es Milchprodukte hier nicht gibt aber, haha denkste, natürlich ist da Fleisch drin. Ich muss einfach von vornherein davon ausgehen, dass in jeder Mahlzeit Fleisch steckt und das dann den anderen überlassen. Hardcore Veganer gibt es hier nicht. Die anderen bestellen wieder Beerlao zum Essen. Ich habe aber genug von dem Bier und trinke ein zu süßes Kokosnussgetränk. Jetzt fallen mir auch zum ersten Mal die Backpacker Touristen auf. Ich bin also doch nicht die einzige weiße in der Stadt (Falang). Man wird mich sicher noch oft mit einer Touristin verwechseln.

Danach beziehe ich meine eigene Wohnung. Ich habe noch 2 Stühle bekommen und muss wohl nochmal nach einem Tisch fragen. Ich bin trotzdem sehr glücklich. Ich nehme alles was ich bekommen kann, den Rest kann man später noch besorgen.

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