Sind wir schon da?

Tha Khaek/Vientiane

Mittlerweile bin ich bereits seit 36 Stunden unterwegs. Von Berlin aus bin ich am Donnerstag um 6 Uhr früh in den ICE nach Frankfurt gestiegen, um von dort aus den Flieger nach Bangkok zu nehmen. In Bangkok gibt es einen kleinen Aufenthalt und anschließend den Anschlussflug nach Vientiane, der Hauptstadt Laos. Warme feuchte Luft begrüßt uns als wir aus dem Flieger steigen. Ich muss zugeben, es fühlt sich gar nicht so unangenehm an wie erwartet. Es fühlt sich eher so an, als würde man noch nicht ganz trockene Wäsche von der Wäscheleine nehmen und gleich anziehen. Am Flughafen Vientiane werden wir abgeholt. Zuerst fahren wir zum Office der Lao Youth Union (LYU) und werden dort offiziell empfangen. Keiner von uns ist sich zu diesem Zeitpunkt so wirklich bewusst, wer genau uns hier empfängt. Sichel und Hammer begegnen uns im kommunistischen Laos nicht nur im Regierungsgebäude. Die Flaggen zieren fast jedes Haus in Vientiane zusammen mit der Nationalflagge. Früher war das Zeichen der Kommunisten in der Nationalflagge integriert. Wir lernen ein wenig Laotisch und erfahren wie man sich richtig begrüßt. Unsere Reisepässe werden kopiert, damit wir ein multi-entry Visum, ein B1, von der LYU ausgestellt bekommen. Unser jetziges Reisevisum wird nur für einen Monat ausreichen. Anschließend machen wir uns auf dem Weg um alle Freiwilligen einzeln zu ihren Einsatzstellen zu bringen. Die Hauptfortbewegungsmittel in Laos sind Autos, Motorräder und Mofas. Es gibt auch ein paar Tuktuks. In Laos gibt es keine Zugverbindung, aber Überlandbusse. Um mit dem Auto nach Tha Khaek zu gelangen benötigen wir 5-6 Stunden. Anschnallgurte gehören nicht zur Standartausrüstung unseres Vans also hoffen wir einfach, dass es nicht zu einem Unfall kommt. Damit wir nicht in der Nacht fahren müssen, macht sich unser Fahrer mit uns auf den Weg.

I am dreaming of you

Der Schlafentzug der letzten Tage macht sich bei uns allen schnell bemerkbar. Jeder von uns hat bis jetzt nur ein paar Stunden im Flugzeug oder am Flughafen geschlafen. Das leichte rütteln und schütteln im Minibus treibt mich schnell in den Schlaf. Die bisherigen Eindrücke und Erlebnisse von Laos müssen erst einmal verarbeitet werden. Laos ist wie eine einzigartige Collage.

Ein heftiger Monsunregen reißt mich aus meinen Träumen. Der Himmel ist komplett zugezogen und wir fahren durch einen grauen Schleier aus Regen. Liter für Liter ergießt sich über unseren Köpfen. Unser Fahrer fährt mit bleibender Geschwindigkeit weiter, schließlich ist das Wetter für die Regenzeit keine Ungewöhnlichkeit. Nach ein paar Minuten hat sich der Regen aufgelöst und die Sonne scheint wieder. Ich schlafe wieder ein. Als ich erneut aufwache, glaube ich, fahren wir durch den Dschungel. Alles um uns herum ist grün und dicht bewachsen. Es sind kaum Häuser zu sehen. Trotz der Schönheit der scheinbar unberührten Natur verfalle ich wieder in einen Tiefschlaf. Als ich das nächste Mal aufwache, habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Neben der Straße liegen überschwemmte Felder und teilweise überschwemmte Häuser. Wir fahren in eine kleine Stadt hinein. Direkt am Straßenrand stehen Häuser und Händler bieten ihre Waren an. Es ist schnell dunkel geworden. Wir sind immer noch unterwegs. Wie lange es noch dauern wird wissen wir nicht. Jedes Mal wenn ich einschlafe, werde ich immer wieder unsanft von den Schlaglöchern geweckt. Nach einer Weile halten wir schließlich am Straßenrand.

Endlich Abendessen

Wir freuen uns alle sehr auf unser kommendes erstes laotisches Abendessen. Jeder von uns bekommt einen kleinen Korb mit Khao Niau (Klebreis), ein Grundnahrungsmittel in Laos. Auf dem Tisch steht noch ein Teller mit grünen Bohnen, Gurkenscheiben, Blättern und grünem Gemüse, dass wir nicht kennen. Außerdem gibt es eine scharfe Suppe und Omelette mit Gemüse. Dazu wird eine Art warmer Salat aus Fisch, Thaibasilikum und scharfen Gewürze gereicht. Gegessen wird mit den Händen. Dafür ist sichtlich ein Waschbecken an der Terrasse angebracht. Zuerst wird der Reis zu einer kleinen Kugel geformt, dann etwas von dem Gemüse genommen und schließlich wird alles zusammen in die Soße des scharfen Salats getunkt. Wir sind inzwischen sehr hungrig und es schmeckt allen sehr gut, auch wenn wir nicht genau wissen, was wir da genau zu uns nehmen. In Berlin lebe ich seit einem Jahr vegan. Ich habe mir schon vor Beginn der Reise gedacht, dass dies in Laos nicht unbedingt einfach wird, besonders wenn man eingeladen wird. Ich freue mich aber über das reichlich vorhandene frische Gemüse. Ich esse viel Reis mit dem Gemüse, tunke es in die scharfe Soße des Salats und versuche möglichst den Fisch im Salat unangetastet zu lassen.

Klo(kack)geschichten

Ein anderes Thema in Laos sind die Toiletten.. Auf dem Weg sind wir ein paar Mal angehalten um die Toiletten aufzusuchen. In Laos gibt es zwar auch Toiletten, so wie wir sie kennen, aber es gibt kaum eine Kanalisation. Deswegen wird wenig Klopapier benutzt, dass dann auch extra in den Müll entsorgt wird. Bei den öffentlichen Toiletten handelt es sich meist um sogenannte „Plumsklos“. Der Name klingt schlimmer als es tatsächlich ist. Kurzum, man hockt sich über ein Loch im Boden um das sich eine kleine Keramikschüssel befindet. Anschließend wird mit Wasser nachgespült und man säubert sich mit einem Wasserstrahl. Im Grunde genommen ist dies viel hygienischer, denn man kommt mit der eigentlichen Toilette überhaupt nicht in Berührung.

Nach dem Essen geht es für uns weiter. Wir haben noch eine mindestens dreistündige Autofahrt vor uns. Es ist inzwischen halb 9 Uhr und dunkel geworden. Die Straße ist nicht beleuchtet. Wir fahren im Dunkeln mit Scheinwerfern weiter vorbei an einer kleinen Herde Kühe, die aneinander gekuschelt mitten auf der Straße schlafen. Um knapp ein Uhr erreichen wir unser Guesthouse und sind überglücklich. Nach einer kalten Dusche setzten wir uns gemeinsam nach draußen und genießen das gekühlte Beerlao. Das Standartbier in Laos, das nach deutschem Rezept aus Reis hergestellt wird. Es schmeckt schön mild und angenehm. Danach gibt es den ersehnten Schlaf in einem richtigen Bett. Ich bin sofort eingeschlafen.

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